Bin ernsthaft dafür. Nach meinem Eindruck sind die meisten Menschen im brauchbaren Rahmen vernünftig und entscheiden sehr sachdienlich und altruistisch, wenn sie ordentlich gefragt und eingebunden werden.
Und genau das schaffen die etablierten Parteien kaum noch bis gar nicht (und die Nazis überhaupt nicht, die simulieren Volksnähe ja nur).
Find ich auch gut, im Prinzip. Allerdings muss man den Gedanken auch weiterdenken, finde ich.
Die Mächtigen, die heute ihren Willen durch Lobbyismus (oder straight up corruption) durchsetzen, werden ja nicht einfach die Hände zusammenfalten bei nem Losverfahren. Sie werden weiter versuchen, Ihren Willen durchzusetzen.
Das würde für die gewählten Bürger enormen Druck bedeuten - teils von der Presse (die den Reichen gehört), die eventuelle Gegner in aller Öffentlichkeit diffamieren wird. Teils von bestehenden Lobbygruppen, die alles daran setzen werden, die Entscheidungsträger zu beeinflussen.
Der Grund wieso das bei existierenden Bürgerräten kein Problem ist, ist, dass sie einfach nicht so viel Macht haben.
Ich sage nicht, dass das Problem unlösbar wäre (zb. hohes Gehalt und hohe korruptionsstrafen könnten wirken), aber ich fände es mal interessant, die 2nd order effects zu beleuchten.
Dies. Das eigentliche Problem in der Demokratie liegt in der wie auch immer gearteten Manipulation des Repräsentanten. Da ist der Entscheidungsmodus wie dieser Repräsentant gefunden wird fast egal.
Man muss also Manipulation selbst angehen oder so einplanen dass es kein Problem ist.
Ich weiß nicht in wie weit die Reps mit Geld zu schütten hilft. Bezweifle ich sogar.
Die Idee des Lobbyismus muss komplett neu gedacht werden, da das “Expertenwissen” faktisch eher der Demokratie abträglich ist, wie es derzeit organisiert ist.
Man könnte evtl Lobbyisten nur aus Rentnern rekrutieren, die dann nicht mehr auf ihre alte Firma/Holding Struktur verweisen dürfen.
FWIW, hab noch ein bisschen recherchiert, es gibt Hinweise darauf dass Bürgerräte, da, wo sie tatsächlich Macht haben, tatsächlich (gegen Lobbies) besser funktionieren als klassische Demokratie.
Das liegt hauptsächlich daran, dass die Bürgerräte nicht wiedergewählt werden müssen. Der wichtigste Hebel für Lobbyisten (Mittel für Wahlkampf) wirkt dadurch nicht, und sie können nur noch mit Drohung arbeiten.
Das scheint in der Praxis ganz gut zu funktionieren:
- Macron berief einen Klimabürgerrat ein, der dann weitreichende Maßnahmen erlassen hat (Werbeverbote, SUV Abgaben, Inlandsflugverbot) - trotz hartem gegenwind
- in Texas (of all places) hat ein Bürgerrat effektiv dafür gesorgt, dass sie massiv in erneuerbare investiert haben und nun ist Texas (trotz Öl Lobby) führender US Bundesstaat in Windenergie.
Das hauptsächliche Problem, das ich damit sehe, ist, dass die durch Los ausgesuchten Machthaber dann keine echten Anreize haben, (für die Allgemeinheit) gute Politik zu machen, statt nur möglichst viel Geld in ihre eigenen Taschen fließen zu lassen. Gewählte Politiker müssen sich immerhin einer Wahl stellen und dort ihre Entscheidungen rechtfertigen; ausgeloste nicht.
Ich könnte mir eine Mischform vorstellen, etwa dass eine kleine Minderheit (z.B. 5%) der Mitglieder von Parlamenten ausgelost wird, der allergrößte Teil aber gewählt. Das könnte dann dazu führen, dass manche der ausgelosten Mitglieder bei der nächsten Wahl für die gewählten Sitze antreten, wenn ihnen der Job gefallen hat, und dadurch ihre Stimmen etwas mehr Gewicht in der Politik bekommen.
Ist nicht das was in der Realität passiert, tatsächlich nehmen die Bürger den Job SEHR ernst. Gibt es auch Belege für („Im Grunde gut“ von Bregman)





