Vorab ich finde die Situation natürlich traurig und wünsche dem gestrandeten Wal selbstverständlich ein positives Ende.
Ich finde, dass der zu oft berichtet wird und finde es übertrieben, dass es sogar Livestreams und Liveticker gibt.
Einerseits finde ich es schon gut, dass Mitmenschen über das Wohl eines Tieres Gedanken machen und vielleicht in Zukunft etwas mehr für die Wale tun, indem sie weniger Fisch konsumieren, damit weniger Geisternetze von den Fischerboote rumschwirren, oder dass die Leute Geld in Tierschutzprojekte spenden, oder Petitionen unterzeichnen usw…
Gleichzeitig passiert tagtäglich dauernd vermeidbaren Tierleid. Massentierhaltung, Qualzucht bei Haustieren, Zoos. Details erspare ich mal an der Stelle.
Das kommt in den Medien und Sozialen Medien weniger, obwohl das in meinen Augen auch Aufmerksamkeit verdient hätte.
Wir Menschen wissen, dass wir Menschen schlecht sind. Und alles kaputt machen. Und jetzt wollen wir halt 1x was richtig machen. Bzw unsere Fehler gerade biegen. Deshalb interessiert es jeden… Und wenn es viele interessiert gibt’s halt nen Livestream. Wie bei dem einen Schornstein in Vatikanstadt alle paar Jahre.
Hätte man im Nachhinein davon erfahren oder wär er in der ersten Nacht gestorben, dann hätte es am nächsten Tag schon niemanden mehr interessiert.
Ist die Aufmerksamkeit im Hinblick auf anderes Leid fair? Nein, aber wir wollen diesen Wal halt zurück ins Meer schieben. Vielleicht steht er für alles, was (wegen uns) in den letzten Jahrzehnten so schief gelaufen ist. Ganz ehrlich, der Wal ist doch jetzt schon nicht mehr zu retten. Und alle wissen es. Vielleicht öffnet das ganze ein paar Augen.
UND JETZT NOCHMAL MIT GANZER KRAFT: SCHIEBT.DEN.SCHEISS.WAL.ZURÜCK.INS.MEER!
“Tiere und Kinder gehen immer”…das ist so eine Art Regel im Journalimus. Hat man halt immer mal wieder, dass so was für ein paar Tage oder Wochen sehr präsent ist. Sei es jetzt ein süßes Trierbaby im Zoo, Bruno in Bayern oder ein Krakenorakel während Fußballweltmeisterschaft.
Es sind halt recht simple Stories, die ohne viel Kontext funktionieren. Mit Potential für etwas feel-good und/oder Mitfiebern. Und für Diskussionsstoff auf der Metaebene ist auch noch direkt gesorgt (siehe dieser Thread). Ist übrigens nicht als Kritik gemeint. Leute brauchen auch einfach mal ne Pause und wollen bzw müssen auch von ernsteren Themen abschalten.
Aber wie du schon sagst, meistens beschränkt es sich dann auf das Individuelle Tier. Jetzt wird mitgefiebert und man hofft, dass der Wal heil wieder raus kommt. Aber inwiefern Überfischung, Fischernetze und Klimawandel Wale bedrohen, kann immer noch ausgeblendet werden.
Also ich trau mich das fast gar nicht zu schreiben…habe den Wal ins Herz geschlossen 🐳 ❤️
Wir haben Wale einfach lieb!
Ablenkungsmanöver? Es läuft ja eigentlich aktuell sehr vieles, was halbwegs tagesaktuell ist und wofür Deutschland meist in erheblichem Maß verantwortlich ist. Genozid in Palästina, Sozialabbau (die neue Grundsicherung ist soweit ich weiß schlimmer als Hartz IV), Ölkrise während Gas-Kathi Erneuerbare ausbremsen und neue fossile Kraftwerke bauen lassen will, Chatcontrolle …
Keine Ahnung, lass den scheiß Wal sterben. Wisst ihr wie viele Haie sich täglich in irgendwelchen Schleppnetzen verfangen? Wir könnten soviel fucking Umweltschutz betreiben wenn wir wollten…



